On Mon, 11 Dec 2017, Reinhard Müller wrote:

Eine kurze Anmerkung noch zur Frage, ob die FSFE von einem Spender
abhängig ist oder nicht: Wenn uns ein Spender Geld gibt, dann haben wir
um eben genau diesen Betrag mehr Geld zur Verfügung, als wenn er es uns
nicht gegeben hätte. Wir können mit genau diesen Betrag Dinge tun, die
wir ohne den Betrag nicht getan hätten. Insofern sind wir von keinem
Spender speziell abhängig, aber wir sind von allen Spendern insgesamt
abhängig. Ich glaube, das ist keine besondere Überraschung :-)

Eieiei, hier geht es ja ganz schön hoch her ...

Ich wollte mal was grundsätzliches einwerfen, ohne auf die Frage einzugehen, ob man Spenden von Google annehmen sollte oder nicht ...

Es gibt den psychologischen Effekt, dass Geschenke abhängig machen. Jemandem, der einem gerade etwas geschenkt hat, an dem nörgelt man nicht herum. Sieht einfach nicht gut aus, ist unhöflich, etc. Ja, Spenden können schon zu Beißhemmungen führen - "man beißt nicht die Hand, die einen füttert". Es geht nicht nur um den aktuell erhaltenen Betrag. Bei regelmäßigen Spenden stellt sich die Empfängerorganisation auf weiterhin regelmäßigen Eingang ein, stellt Leute ein oder geht andere regelmäßige Verpflichtungen ein. Ein Wegfall einer regelmäßigen Spende stellt die Organisation tatsächlich vor Probleme.

Pyschologischer Effekt Nr. 2: Psychologische Effekte wirken auch dann, wenn man sie kennt.

Wie könnte man diese Effekte durchbrechen? Vielleicht, indem man eine Anonymisierung zwischenschaltet. Eine Organisation, die Spenden entgegennimmt und gesammelt an Empfängerorganisationen weiterleitet. Wenn die FSFE nicht weiß, ob und in welchem Maße sie von Google abhängt, kann sie ungehemmter agieren. Natürlich kann Google mit dem Einstellen der Spenden drohen und wenn Google die Drohung wahrmacht, würde die FSFE auch sehen, wieviele Einnahmen wegbrechen. Und es bleibt noch das Problem, dass die Anonymisierungsorganisation irgendwie überprüft werden muss. Dort könnte ja Geld versickern, ohne dass es jemand prüfen kann, weil die weitergeleiteten Gelder anonymisiert sind.

Nur so eine Idee.

Und dann ist da noch das Problem, dass Google riesig ist. Die eine Abteilung macht den Google Summer of Code und die Suchmaschinensparte macht die große Geheimniskrämerei. Da ist es gar nicht so leicht, zu sagen, "Google" als ganzes sei gut oder schlecht für freie Software, förderlich oder schädlich als Spender.
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