Moin.

Nachdem viele Argumente ausgetauscht wurden und allmählich nix neues mehr kommt, möchte ich hier meine persönliche Auffassung in der Frage mal (hoffentlich einigermaßen sachlich) zusammenfassen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, daß das Erfassen personenbezogener Daten in OSM (in dieser Diskussion: natürlicher Personen als Inhaber eines Geschäftes irgendeiner Art) problematisch ist, und zwar aus folgenden Gründen:

1.- Die Information, welche natürliche Person Inhaber oder Geschäftsführer oder was auch immer einer Firma welcher Art auch immer ist, ist ein personenbezogenes Datum (Art. 4, Nr. 1 DS-GVO). Das war ja wohl auch nie strittig hier.

2.- Auch personenbezogene Daten, die auf Grundlage eines Gesetzes (z. B. Handelsgesetzbuch) öffentlich zugänglich gemacht werden müssen, sind noch lange nicht "vogelfrei" (zumindest konnte ich in der DS-GVO & Erwägungsgründen keine Hinweise finden, daß dies so wäre).

3.- Nach Artikel 5 -- Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten -- müssen personenbezogene Daten "für festgelegte, eindeutige und legitime Zwecke erhoben werden... " (Nr. 1, b). Damit habe ich es enorm schwer: Welche festgelegten, eindeutigen Zwecke hat OSM denn? Ich habe im Laufe der Jahre schon nur allzu oft "wir sind nicht ..." und "wir mappen nicht für ..." in den unterschiedlichen Kommunikationskanälen gelesen.

4.- Als mögliche Rechtsgrundlage nach Artikel 6 -- Rechtmäßigkeit der Verarbeitung -- wurde Nr. 1, Buchstabe f ("Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen... ") angeführt. Das scheint mir die wackeligste Rechtsgrundlage zu sein, die der Artikel anbietet, schon allein deshalb, weil "berechtigtes Interesse" ein recht so unbestimmter Begriff ist. Die Erläuterungen zu Artikel 6, Nr. 1 f) -- Erwägungsgrund 47 -- sind diesbezüglich auch nur mäßig erhellend, aber die Ansicht "ein Teil der OSM-Community findet die Information interessant, und deshalb haben wir ein berechtigtes Interesse" unterstützen sie meiner Meinung nach nicht.

5.- In Kapitel III der DS-GVO -- Rechte der betroffenen Person -- (Artikel 12 ff) werden dem "Verantwortlichen" diverse Verpflichtungen auferlegt (wie z. B. die Informationspflicht der Betroffenen; Art. 13, und anderes mehr). Es mag vielleicht sein, daß man diesen Verpflichtungen theoretisch irgendwie nachkommen könnte, aber de facto passiert das derzeit wohl eher nicht. Im Übrigen halte ich auch nicht die einzelnen Mapperinnen und Mapper für die "Verantwortlichen", sondern --ja wen? vermutlich die OSM-Foundation. Und wie diese in der Praxis ihren Verpflichtungen nachkommen soll, sehe ich derzeit noch nicht so richtig.


Hier stehe ich, und ich kann nicht anders.

Viele Grüße
Hartwig


_______________________________________________
Talk-de mailing list
[email protected]
https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

Antwort per Email an