On 30.08.20 11:50, Robert Grübler wrote:
Ein überwälzen auf den Anwender ist nur gestattet, wenn es keine technische 
Lösungsmöglichkeit gibt.

Überwälzen kann man nur etwas, was man hat. Der Wanderer trug immer schon die Alleinverantwortung für seine Routenwahl. Das ist seit der Steinzeit so.

Nur wenn der Wanderer eine Navi-App oder eine Wanderkarte kauft und der Anbieter damit wirbt, dass die Daten alle stimmen, kann man argumentieren, dass durch den Kaufvertrag ein Teil der Verantwortung auf den Anbieter (Hersteller, Händler) übergegangen ist. Aber da sind wir noch nicht beim Mapper.

Wenn der Anbieter die Daten einkauft und im Kaufvertrag garantiert wird, dass die Daten alle stimmen, kann der wiederum den Daten-Anbieter zur Verantwortung ziehen. Das ist bei OSM-Daten aber nicht der Fall. Wir stellen die Daten unter einer bestimmten Lizenz zur Verfügung. Man kann drüber streiten, ob das ein Vertrag ist (durch schlüssige Handlung?), aber die Richtigkeit der Daten ist jedenfalls kein Vertragsbestandteil.

Wer die OSM-Daten gratis übernimmt, trägt zu 100% selbst die Verantwortung, sie auf Richtigkeit zu überprüfen oder halt damit leben zu müssen, dass sie nicht zuverlässig sind.

Leider ist – anscheinend ausgehend von den USA – die Unsitte zu uns herübergeschwappt, bei eigenen Fehlern andere zur Kasse zu bitten. Leute, die ihr Haus in die Au oder an einen Murenhang bauen, lassen sich bei einem Unwetter die Schäden vom Land ersetzen. Leute, die das Brems- mit dem Gaspedal verwechseln, verklagen den Autohersteller. Raucher verklagen bei Lungenkrebs den Zigarettenhersteller. Aktienkäufer verklagen bei einem Kursverfall den Anlageberater. Wanderer verklagen den Steigerhalter; und Navi-User, die zu blöd sind, auf die Straße zu schauen, den Navi-Anbieter. Kein Wunder, dass heute die Auto-Navis bei jedem Start seitenweise Nutzungsbedingungen bestätigen lassen. So machen sich die Anbieter noch mehr zu Nervensägen, als es die klagewütigen Kunden sind.

Es ist eine der schlimmsten Seuchen der heutigen Zeit, dass keiner mehr Verantwortung übernehmen will. Es will zwar jeder die Entscheidungshoheit haben, aber nicht schuld sein, wenn was passiert. So kam es auch zu den Lockdowns, den Absagen von Veranstaltungen und der Maskenpflicht. Jeder weiß, dass das alles Blödsinn ist, aber keiner hat den Mumm, zu sagen: "Ich lasse die Veranstaltung normal stattfinden." Denn wenn es bei der Veranstaltung zu einem Ausbruch kommt, rollt ein Kopf... Mit Maskenpflict hingegen kann man bei einem Ausbruch sagen: Schaut her, mit der Maskenpflicht haben wir unser Möglichstes getan und Schlimmeres verhindert. Wenn man die Veranstaltung ganz absagt, ist man überhaupt immun gegen alle Angriffe.

Bitte, wir brauchen keine allglatten Egoisten, die nur an ihr Image denken. Wir brauchen Leute mit Zivilcourage. Leute mit Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Einen Steig in OSM zu mappen, ist doch wohl das Mindeste, was ein Mapper mit Mut zur Verantwortung tun kann.

Das widerspricht fundamental dem Grundsatz zu Mappen "was ist" aka "ground 
truth".
Überhaupt nicht. Es geht nur darum es richtig zu taggen. Es spießt sich an der 
Begrifflichkeit „Weg“. Ein alpiner Steig, dessen Begehung alpinistische 
Erfahrung erfordert, ist m.E. etwas anderes als ein Wanderweg, den jeder 
gesunde Mensch ungefährdet begehen kann.

Dann warst du noch nie wandern. Es gibt wie gesagt alle Übergänge. Und das ist nicht eine eindimensionale Skala von leicht bis schwierig, sondern es gibt unterschiedliche Schwierigkeiten, z.B. auch die Weglänge und die Höhendifferenz. Jemand mit guter Klettertechnik und schlechter Ausdauer kriegt auf anderen Steigen Probleme als jemand mit guter Ausdauer und ohne Klettererfahrung.

Letztlich ist jede Routenwahl eine Optimierungsaufgabe, die von den individuellen Parametern abhängt. Wir können nur die Daten bereitstellen. Was der Anwender daraus macht, ist seine Sache. Genauso wie es die Sache desjenigen ist, der im Supermarkt ein Messer kauft, was er dann mit dem Messer macht.

--
Friedrich K. Volkmann       http://www.volki.at/
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