On 29.07.2013 22:11, Tirkon wrote:
Ich weiß vermutlich seit der ersten Woche bei OSM, dass der Username an jeder Änderung hängt. Das merkt man spätestens dann, wenn man die Chronik aufruft. Mir war aber nicht bewusst, dass dieser mit herausgegeben wird.
An diesem Punkt war mir das auch nicht so direkt bewusst in dem Sinn, dass das zu den ersten Dingen gehört hätte, über die ich mir groß Gedanken gemacht hätte. Da ich aber etwa die Wikipedia schon kannte, wo man fremde Usernamen sieht sobald man in eine Versionsgeschichte oder auf eine Diskussionsseite schaut, war es aber sicher etwas, was ich jederzeit als naheliegend angesehen hätte, wenn ich denn einen Grund gehabt hätte, darüber nachzudenken. Außerdem hielt und halte ich es für normal, dass Leute, die einen wertvollen Beitrag zu einem Publikationsprojekt leisten, in irgendeiner Weise durch Nennung mit Namen (wenn sie sebst unter Pseudonym auftreten, mit dem von ihnen gewählten Pseudonym) gewürdigt werden. Unter Umständen ist das ja sogar rechtlich geboten. In OSM waren ja alle ganz fürchterlich vorsichtig mit den Urheberrechten und ähnlichem (das ist auch heute noch ungefähr so) - auch von daher lag es also nahe, dass die Benutzer entsprechend als Quelle genannt werden.
Ziemlich schnell habe ich aber auch fremde Benutzernamen gesehen, einfach indem ich mir zu einem Objekt mal eine Versionsgeschichte angeschaut habe. Auch auf der Mailingliste tauchte recht bald ein Hinweis der Art "Die Bearbeitungen von xyz schauen komisch aus, kann da mal jemand nachschauen?" auf. Spätestens an dem Punkt war es also sonnenklar, dass zumindest jeder OSM-Benutzer nachschauen kann, welche Bearbeitung von wem stammt. Und OSM-Benutzer kann ja jeder leicht werden.
Zudem habe ich freie Projekte eigentlich immer als die Datenschutz-freundliche Bastion im Internet angesehen.
Das sind sie ja auch einigermaßen, einschließlich OSM im gegenwärtigen Zustand. OSM verlangt von niemandem, dass er bei der Anmeldung seinen Namen, seine Adresse oder sonst was (außer einer Mailadresse - kann man ja auch ne Wegwerfadresse nehmen) angibt. OSM drängt seine Benutzer nirgends, doch ganz viel über sich einzugeben, man wolle doch so richtig dabeisein. OSM hat auf seinen Seiten keine Like-Buttons, kein Google Analytics, keine Reichweiten-Zählpixel, keine Werbenetzwerke. OSM versucht auch nicht, fremde Seiten mit Like-Buttons oder Zählpixeln zu pflastern. OSM betreibt keine Paralleldienste, mit denen es möglich wäre, bei den Benutzern Daten aus ganz anderem Kontext abzugreifen und zusammenzuführen (schau dir mal an, was an einem Google-Account alles für Lebensbereiche hängen können). OSM verkauft keinerlei Daten - alle Daten, die OSM abgibt, kann sich jeder ohne weiteres anschauen. Bill Gates kriegt von OSM nichts, was nicht jeder andere auch kriegen könnte.
Ähnlich dürfte es vielen Mappern gehen. Sie sehen nur die Ergebnisse des "internen" Gebrauchs, kennen aber nicht die Dateien, die hinten rausgehen, weil sie diese nicht brauchen.
Für diejenigen, die mit den Dateien arbeiten und reinschauen, mag der Fall sonnenklar sein, daher auch vielleicht das Unverständnis für die "Gegenseite".
Mit vielen Dateien arbeite ich auch nicht. Aber keine Versionsgeschichten oder Edits anzuschauen, keine Diskussionen über bestimmte Benutzer in Mailingliste oder Forum mitzubekommen? Gut, vielleicht nicht sofort. Demnach bin ich auch dafür, bei der Erstanmeldung einen kurzen Hinweis einzubauen, dass die Bearbeitungen mit Benutzernamen öffentlich sichtbar sind, man sich also einen nichtssagenden Benutzernamen geben sollte, wenn man anonym bleiben will.
Inzwischen sind die Abzocker bekanntlich gehalten, plakative Sprüche zumindest mit einem Sternchen zu kennzeichnen, wenn es einen Pferdefuß geben sollte.
Na ja. Hin und wieder. Öfter mal aber auch nicht.
Bei uns könnte man dieses Sternchen durch eine Darstellung an prominenter Stelle deutlich machen - eben die Stelle im Wiki, wo für das Anmelden geworben wird.
Die passende Stelle für die angebrachte knappe Bemerkung wäre m.E. der Anmeldebildschirm selbst. Muss ja nicht jeder übers Wiki dahin kommen. Aber gerne mit Link auf eine Wikiseite, auf der man dann Genaueres nachlesen kann.
Spätestens hier kann man neben den Vorteilen auch die Nachteile vor Augen führen.
Was da nun Vorteile und was Nachteile sind, ist ja nun keineswegs ausgemacht. Alles in allem scheint es mir bei freien Projekten häufiger vorzukommen, dass sich Beteiligte über mangelnde Wertschätzung ihres Beitrags beklagen als darüber, dass man die Tatsache ihrer Beteiligung unangemessen groß rausposaunt hätte. Auf die Bedürfnisse von Whistleblowern ist OSM freilich nicht ausgerichtet, aber das ist ja auch nicht sein Ziel, was schon jetzt kaum für Missverständnisse sorgen sollte.
Gruß, Mark _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] http://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

