(Teil 2 meiner Antwort)

 

„Dadurch wird es möglich, dass in diesem Sport keine externen Schiedsrichter
vorgesehen sind. Ultimate beruht auf der Integrität der Spieler/innen“
(Leitfaden)

 

Warum, bei allen guten Geistern, belässt man es nicht bei diesem
Verständnis? Stattdessen soll  jetzt ausgerechnet der SotG selbst von
Externen beurteilt werden, den Gegenspielern. Dies zeigt doch wieder nur das
komplette Unverständnis des eigenen Verständnisses.

 

Kann mein Gegenspieler meine Aufrichtigkeit beurteilen, ob ich betrüge oder
mich anstrenge? Die Weisheit, die in der Idee des SotG ausgedrückt wird, ist
doch, dass andere das versuchen können, aber nur ich selbst das letztendlich
kann. Es gibt dazu keine bessere Instanz als mich selbst.

 

Die in den Regeln erwähnten Kriterien für Verhalten sind Indizien für den
SotG. Indizien sind weder hinreichend noch notwendig. Trotz unerwünschten
Verhaltens kann SotG vorhanden sein, ebenso trotz Ausbleiben von
gewünschtem. Einem am Tourette-Syndrom Erkrankten muss man nicht den SotG
absprechen (Kopropraxie wird gelegentlich auch bei Ultimate-Spielern
beobachtet und diagnostiziert). Wie sich gegenseitiger Respekt zeigt, wird
in der japanischen Kultur anders sein als in manch afrikanischer.

 

Trotz des Offensichtlichen und des eigenen (!) Verständnisses, werden -
durch eine neue Regel - alle Spieler zu Punktrichtern zwangsverpflichtet.
Genial.  Jeder hätte dann schon mal andere bewertet, alle wären mitschuldig
geworden.

 

Der Coup wird vollendet: Mit der angeblichen Bedeutung, die selbst die
Spiel-Regeln genaugenommen schon nicht haben, arbeitet die Verschwörung
weiter und behauptet auch die Missachtung von weiteren Regeln würde gegen
den SotG verstoßen. Und das wäre ja nun wirklich das Letzte und es muss doch
möglich sein, dies zu unterbinden. Was in den Spielregeln noch
ausgeschlossen war, wird über die Hintertür eingeführt: Sanktionen und
Ausschluss.

 

Die Idee des „Spirits of the Game“ ist ad absurdum geführt. Gratuliere! 

 

Der SotG ist im Siechtum, er wird bald sterben, lasst uns seine Beerdigung
vorbereiten. Von Beileidsbekundungen an der Gruft bitten wir Abstand zu
nehmen.

 

-

 

In aller Höflichkeit möchte ich Dir, Robert, noch zwei Fragen beantworten,
die Du in deinem Statement zur Bewerbung als Vorsitzender des
Spirit-und-Regel-Komitees gestellt hast. Die Antworten geben nur meine
eigenen, fehlbaren Überzeugungen wieder, sie sind sicherlich nicht
konsensfähig.

 

„Woran liegt es, dass obwohl Spirit der wichtigste Aspekt unseres Sportes
ist, er manchmal stiefmütterlich behandelt wird, z.B. bei Ausfüllen von
Spiritbögen?“ (Statement)

 

Dass der SotG manchmal stiefmütterlich behandelt wird, dem stimme ich zu.
Das Nichtausfüllen von Spiritbögen würde ich aber eher als ein Indiz für
seine Anwesenheit auffassen. 

 

Im Leitfaden für die SotG-Bewertungsbögen ist viel von Rechten und Pflichten
die Rede. Das einzige, was ich dem Ganzen entnehmen kann, hier fällt beides
zusammen: Recht und Pflicht zum Widerstand.

 

„Ist es im Sinne des Spirit, dass jemand über den Spirit wacht?“ (Statement)

 

Ja! (Vorsicht, Metapher:) Der Spirit ist wie eine zarte Pflanze, die
beschützt werden muss. Sie geht ein, oder könnte das zumindest, wenn
Organisationen, Verbände und Komitees mit willkürlichen Forderungen auf ihr
rumtrampeln oder andere Interessengruppen anfangen, ihr Gift zu versprühen,
das Geld. 

 

Jeder sollte über seinen Spirit wachen, jede Mannschaft über ihren.

 

-

 

Erlaube nun auch mir, abschließend selbst noch einige weitere Fragen zu
stellen.

 

Zu was sollte sich ein Verband verpflichten, der eine außergewöhnliche
Sportart wie Ultimate vertritt, zu was seine Funktionäre? Gibt es einen
„Spirit of the Federation“?

Sollte es verbindliche Regeln für Regeln und deren Erfinder geben?

Sollte ein Wächter über die Wächter der Regeln wachen, ein Geist?

 

TL;DR

 

Nachdem den Regeln unangemessene Geltung verschafft wird, der SotG zunächst
zu einer Regel banalisiert wird, anschließend zu einer Zahl marginalisiert,
neue Regeln erfunden werden, die nichts mit dem Ultimate-Spiel zu tun haben,
diesbezüglich Rechte und Pflichten definiert werden, wird dann auch noch die
ultimative Sanktion verhängt: Wer sich nicht zwangsverpflichten lässt, über
andere Mannschaften öffentlich sein Urteil zu fällen, wird ausgeschlossen.

 

Zeit zum Widerstand.

 

Don´t Panic,

Klaus Host

 

Leitfaden; Link zum „Leitfaden zum Umgang mit der SOTG-Bewertung“: 

http://www.frisbeesportverband.de/images/dfv/dfv_verband/dokumente/DFV-Leitf
aden_SOTG-Bewertung_20130727.pdf

 

Statement; Link zum „Protokoll der Jahresversammlung der Ultimate-Abteilung
2013“, incl. „Statement Robert Jablko zur Bewerbung als Vorsitzender des
Spirit-und-Regel-Komitees“

http://www.frisbeesportverband.de/images/dfv/dfv_verband/dokumente/Protokoll
_DFV-UA-Sitzung_13-09-2013.pdf

 

 

PS. Falls der „Spirit of the Game“ noch länger lebt, dann könnte die neue
Gruft eventuell anderweitig genutzt werden. Platz für bestimmte Regeln,
Pflichten und SotG-Bewertungsbögen scheint ausreichend vorhanden.

 

 

 

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