Werte deutsche Ultimate-Gemeinde, vor Kurzem ist ja in Köln die Europameisterschaft der Junioren zu Ende gegangen. Ich war wiederum als Funktionär des EUF am Start. So gut es ging habe ich dann ja noch Tageszusammenfassungen über die EuroDisc geschickt; hier nun ein Roundup mit eher deutscher Brille. Achtung, viel Text! Ich gehe dabei auf die 4 divisions einzeln ein.
Erstmal zum Turnier insgesamt: die Felder, bekannt vom DDC, waren erste Sahne. ASie haben die 4,5 Tage auch recht unbeschadet überstanden. Es gab an allen Feldern eine 2m restraining line, und in den meisten Fällen eine weitere Linie, um Zuschauer auf Distanz zu halten. Das ist oft notwendig, denn hinter der restraining line stehen ja oft 40 Auswechselspieler, und manchmal bis zu 10 Coaches, da wird es end wenn dann noch hundert oder mehr Zuschauer direkt ran wollen. Organisiert worden ist die ganze Sause für 1000 Leute am 5,5 Tagen vor Allem von 2 Personen: JB und Boeni, von Frühsport 0,2 Köln / ASV Köln. Und die Orga war dann auch so gut, dass trotz der Knappheit an Volunteers die Sache wirklich reibungslos über die Bühne ging. Hilfreich war dabei die positive Art der TDs, sowie das Engagement von Valeska Schacht (Funatics Hannover) und Martin Rechmann (Greenhorns Münster), die als Volunteer Manager alle kleinen Jobs erledigten bzw. verteilten. Im Eröffnungsspiel kam gleich ein echter Kracher: zum ersten Mal durften die U17 Jungs eröffnen, Gastgeber und Seriensieger Deutschland gegen Großbritannien. Und gleich die erste Überraschung: die Briten spielten fast fehlerfrei und siegten 15:8. Ein Warnschuss für das deutsche Team: nur mit Lässigkeit oder gar Überheblichkeit gab es hier nix zu gewinnen, da mussten volle Konzentration und Einsatz her! Dienstag dann klare Siege für alle 4 deutschen Teams. Die beiden U20 Teams starten jeweils mit 17:0! Aber die U20 jungs durften dann auch spüren, was Gegenwehr ist: im zweiten Spiel gegen Israel ging es zur Sache. Israel spektakulär, die sprangen sonstwo hin, um die Scheiben zu bekommen. Bei Youtube hätten sie die meisten Klicks bekommmen… Deutschland dagegen safe, schöne Serien von Clap Catches. Aber Israel ging in Führung, 6:5 stand es zeitweilig. Zur Halbzeit war Deutschland aber wieder vorne, und Israel am Ende: diverse Spieler konnten das Tempo nicht aufrecht erhalten, wurden mit Krämpfen behandelt. Und so ging das Spiel dann auch weniger spektakulär 17:12 für Deutschland aus. Diese Muster blieb bestehen: alle 3 Israel-Teams lagen immer wieder zur Halbzeit vorne, und mussten dann doch etliche Spiele abgeben. Aber klasse, dass sie überhaupt oben mithalten können: wie hoch das Niveau bei den U20 Juniors ist, führen uns die Bad Raps ja immer wieder vor, und das ist eben in vielen Ländern ähnlich (na ja, fast). In Israel selbst aber haben die Kids ja kaum Gelegenheit, zu spielen, und noch weniger auf hohem Niveau. Von daher ist ihre Leistung wohl auf hohe motivation und gutes Coaching zurückzuführen. Wenn jetzt noch mehr Fitness und Erfahrung hinzu kommen, sind die RICHTIG gut. Entstanden sind die israelischen Teams aus dem „Ultimate Peace“ Projekt: erfahrenen Trainer aus aller Welt (auch Deutsche waren schon am Start) coachen jüdische und palästinensische Jugendgruppen und lassen sie dann gegen- und miteinander spielen. So spielen in allen drei Nationalteams auch beide Volksgruppen gemeinsam. Ein unterstützenswertes Projekt, siehe http://www.ultimatepeace.org/. Zurück zu den Deutschen. Die U17 Mädels hatten 2012 den 3. Und letzten Platz belegt und freuten sich vor allem, endlich mal ein echte s Turnier zu haben: erstmals waren 5 Teams am Start, neu dabei Frankreich und Holland (letztere wegen einiger zu alter Spielerinnen außer Konkurrenz). Und NED startete dann fgleich gegen das etablierte GBR Team mit 13:11, bevor die Deutschen gegen Holland ran durften. Man war also gewarnt. Am Anfang war das Spiel dann sehr ausgeglichen, Deutschland hatte noch einige Nervosität, während Holland schon besser beisammen war. Das änderte sich dann aber, und das Team des neuen Nationaltrainers Lennart Trampe (Sean‘s Sheep, Beckum/NRW) gewann sicher 12:6. Deutschland sollte das einzige Team bleiben, das Holland schlagen konnte. Die U17 Mädchen flogen dann von Sieg zu Sieg, keiner war ihnen auch nur annähernd gewachsen. Im Halbfinale gegen Frankreich gab es gar ein 15:1, im Finale gegen Österreich ein 15:4. Fett! Herausragend: Kira (Sean’s Sheep) und Meg (Pizza Volante). Ein ähnliches Bild bei den U20 Mädchen: nach dem 17:0 gegen Irland gleich der Klassiker gegen GB; 17:4, kein Problem. Tschechien war das einzige Team in der 6er Vorrunde, das Halbwegs mithalten konnte, 17:9. Auffällig bei Deutschland: keine Stars, keine Schwachstellen; ein unglaublich homogenes Team. Auf dem Scoreboard führen natürlich die Cutters, allen voran Anna und Simona (bereits 2010 U17-Gold) aus Bamberg und Marie von Pizza Volante Leipzig. Aber vor allem die Geschlossenheit war der Schlüssel zum Erfolg. Auffällig auch das sehr zurückhaltende Coaching von Marco Müller (ToGetHer Gemmrigheim): wo andere Teams einen ganzen Trainerstab haben, der brüllt, dirigiert, anweist, zusammenscheißt und die Aufstellungen und Taktik vorgibt, kommt von Marco hin und wieder Lob und ein paar kleinere Anweisungen, und Hinweise im Time Out. Ansonsten führt sich die Mannschaft selbst; er hat sie gut genug vorbereitet. Ich bin Heilfroh, dass ich die Mannschaft nach meinem Ausstieg 2010 in solch gute Hände legen konnte! Die Play Offs waren eher einfach, und so stand man ungeschlagen im Finale, gegen Italien, ebenfalls ungeschlagen. Genau, gegen die hatte man etwas überraschen 2011 die Goldmedaille verloren, und der Stachel saß tief. Bei der WM 2012 war Deutschland zwar einen Platz vor Italien, aber ohne direktes Aufeinandertreffen. Nun also die Revanche; aus gutem Grund siegessicher. Aber eben diese Einstellung war 2011 tödlich gewesen… nun gut, dieses mal war Italien zwar gut, Deutschland allerdings überragend, und so gewannen sie mit 17:9. Alle Spiele mit 17 Punkten gewonnen, kein Gegner hat zweistellig gepunktet. Auch fett! Die U20 Jungs, Titelverteidiger und wie die Mädchen bei der WUGC12 klar beste europäische Mannschaft, hatten erstmal auch nur gegen Israel echte Gegenwehr. In der Zwischenrunde warteten Schweden, die immerhin 8 Punkte machten, und die ungeschlagenen Franzosen, 7 Punkte. Keiner konnte den Deutschen das Wasser reichen, egal in welcher Besetzung die auf der Linie standen. Aber Frankreich war auch ein kompakt spielendes Team, und die Defense hellwach, da musste man schon hoch konzentriert ran gehen. Frankreich war überhaupt gut dabei; zum ersten Mal in allen 4 divisions am Start, konnten sie dann auch alle 4 Teams ins Halbfinale bringen. Da geht was, bei den Nachbarn im Westen! Im Osten übrigens auch: Tschechien knüpfte an das sehr gute Spiel auf der EYUC11 in Wroclaw (Breslau) an, nachdem sie die WJUC in Dublin aus Geldmangel schwänzen mussten. Sie gewannen gegen Italien und Finland deutlich, verloren dann aber das Poolfinale knapp gegen Vize-Europameister Österreich. In der Zwischenrunde konnten sie dann Belgien schlagen, und lagen sogar gegen Great Britain die ganze Zeit über vorne, um dann im Universe Point zu verlieren. Egal, das Recovery game gewannen die Tschechen gegen Irland und schieden dann erst gegen Frankreich im Viertelfinale aus, wieder mit Universe point. Die Playoffs des deutschen Teams waren wieder sehr einseitig; Israel konnte kein zweites Mal gegen halten, und den Schweden fiel wenig ein, oder sie waren noch vom knappen Sieg gegen Österreich geschwächt. So traf man dann im Finale wieder auf Frankreich. Die waren, wie schon bei ihrem letzten Finale 2009 in Wien, die Überraschungsmannschaft, drehten dann aber wieder richtig auf. Und so war das abschließende Finale nochmal richtig spannend, die Franzosen waren die einzigen, die die Deutschen etwas unter Druck setzten, und so endete das Finale der U20 open 15:12 für Deutschland. Gold verteidigt! Frankreich kann aber auch mächtig stolz sein, holte überdies noch den Spirit Preis. Topscorer im Finale waren Ben und Samuel (Cultimaters), Christian (Sean’s Sheep) und Captain Marcel (Gemmrigheim). Die spannendste division waren die U17 Jungs. Nach dem Sieg im Eröffnungsspiel waren die Briten favorisiert, und gewannen dann auch die nächsten Spiele. Die Deutschen nahmen sich dann aber auch kräftig zusammen und ließen ebenfalls nix anbrennen; gegen Irland, Israel, Schweden, Frankreich und Belgien gab es klare Siege. Alle acht U17 Jungs-Teams waren in einem Pool; neben GB und Deutschland gab es noch zwei Plätze im Halbfinale zu vergeben. Und die waren heiß umkämpft; Schweden war gut dabei, durften als Tyro-Team (einige Spieler außerhalb der Altersgrenze) nicht nach oben, wohl aber die punktgleichen Österreicher, Franzosen und Israelis. Österreich hatte am Donnerstag die schlechtesten Karten, denn sie mussten als einzige noch gegen GB und DE ran. Aber was heißt das schon? Unter dem Staunen einer gewaltigen Zuschauermenge zogen die Österreicher gegen GB auf 13:5 davon, dann Time Cap. Den Rest konnte ich leider nur akustisch aus der Ferne verfolgen, aber irgendwie schafften es die Österreicher noch, die Kiste 15:14 abzugeben. Mann, Mann. Also Freitag früh gegen Deutschland. Die waren gewarnt; aber wieder schafften es die Österreicher: 13:10 beim Time Cap, wieder auf 15. Und diesmal? Gewannen sie, 15:13, und waren damit im Halbfinale. Deutschland aber auch, und so trafen beide wenige Stunden später direkt wieder aufeinander. Diesmal aber ging es für die Deutschen um alles, und sie machten nach unglaublichem Kampf bei 12:9 den Sack zu. Finale, Revanche gegen GB! Das U17 Team hatte vor der Saison den Trainer gewechselt: der ehemalige Trainer, Max Leibersberger (Bad Skid) war nach dem Rückzug von Mattes (Pempelfort), der die Mannschaft von 2008 bis 2012 gecoacht hat, zur U20 gegangen (die Spieler kannte er dann ja schon), während die U17 von Sergej Volante (Leipzig) und Thiede (Sean’s Sheep) übernommen wurde. Die teilten ihren Job in Offense und Defense auf, und hatten wie üblich in der U17 viele neue Spieler zusammen zu bringen. Und das klappte dann auch sehr schön. Am beeindruckendsten für mich war auf dem Turnier ohnehin der Qualitätssprung in der U17 open. Dass die U20er extrem gut spielen, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr. Aber 2013 gab es 5 von 8 U17 Teams (GER, GBR, ISR, AUT, FRA), die unglaublich sauber und kompakt spielten, und mit einem atemberaubenden Tempo. Ich bin sicher: mein Leipziger Clubteam, Saxy Divers, hätte selbst zu besten Zeiten keine Chance gegen diese ebenso präzise wie engagiert spielenden U17-Teams gehabt. Das Maß an Intensität in fast allen Spielen dieser Liga war einfach Wahnsinn, da standen alle Haarspitzen hoch. Erst der Einzug in die Play Offs, dann beide Halbfinales, und dann die Platzierungsspiele waren allesamt ein Kampf auf höchstem Niveau und bis zum allerletzten Punkt. Da braut sich was zusammen! Der Erfolg der Ex-Juniors „Bad Skid“ ist alles andere als ein isoliertes Phänomen, und schon gar keine Eintagsfliege! Im U17 open Finale war dann aber doch leider die Nervosität größer, vor allem auf deutscher Seite. Und so kam es zu etlichen individuellen Fehlern und sogar Drops, so etwas hatten wir bis dahin kaum gesehen. Die GBs machten es etwas besser, und so gewannen sie die einzige Medaille für die Insel, in Gold. Etwas schade für die Sieggewohnten Deutschen, aber nach 3 Mal Gold in Folge darf man auch mal mit Silber zufrieden sein. Auf ein Neuen 2014, und Hut ab vor Eurem Spiel die Woche über, das war wirklich erste Sahne!!! So, das war‘s. Nach einer Woche ehrenamtlich muss ich leider wieder für Geld arbeiten, konnte mir aber immerhin noch ein paar Tage auf dem schönsten Turnier jemals, Sandlash in Polen, gönnen. Die Deutschen Juniors gibt es nächsten Monat wieder zu bestaunen, auf der Junioren DM in Osnabrück, 21./22. September, also gleich nach der Erwachsenen-DM. Dann auch wieder mit U14, wo hoffentlich wieder etliche ganz neue Teams antereten: Köln, Darmstadt, Frankfurt und Heidelberg tragen die Juniors-Welle weiter. Die Junioren WM 2014 ist noch nicht vergeben, neben Quebec und Ohio hat sich auch Lecco/ITA beworben, auf dem gleichen Gelände wie die WUCC, nur 2 Wochen vorher. Und nun hoffen fast alle Juniors weltweit, dass der Zuschlag dorthin geht, da relativ wenige Teams die Reise nach Nordamerika anzutreten vermögen, und es dann dort dann recht beschaulich zuginge. Na, warten wir’s ab. Beste Grüße aus Leipzig, Chris Puh, viel Text. Da hat sich sicher auch ein Rechtschreib- und ein inhaltlicher Fehler reingeschlichen, Verzeihung. Alle Ergebnisse unter http://results.ultimatefederation.eu -- Christoph Dehnhardt <[email protected]> +49 - 341 - 5901880 _______________________________________________ Wurfpost mailing list [email protected] http://list.uni-koblenz.de/mailman/listinfo/wurfpost
