Am 13.08.2010 15:59, schrieb Frederik Ramm:
Hallo,

jh wrote:
Die "Contributor Terms" sind nicht ueberfluessig, sonst wuerden sie
einfach weggelassen werden.

Dies sehe ich für die strittige Klausel 3 als von den Proponenten
nicht hinreichend belegt.

Die ODbL ist eine ganz neue Lizenz. Die hat noch niemand in dem Umfang
eingesetzt, wie wir das vorhaben. Es ist moeglich, dass sie Fehler hat
oder sich als ungeeignet herausstellt. Es ist auch moeglich, dass sich
die Aussenwelt so veraendert, dass wir mit der ODbL irgendwann total
"abgehaengt" dastehen, weil der Rest der Welt was anderes macht. Das ist
z.B. der Wikipedia ja passiert mit der GFDL-Lizenz - die haben dann ja
zum Glueck eine Klausel in die GFDL eingebaut bekommen, die den Wechsel
zur CC-BY-SA ermoeglichte, *ohne* dass sie alle ihre Mitglieder fragen
mussten. Koennen wir uns darauf verlassen, dass die Autoren der ODbL,
wenn es tatsaechlich so weit kaeme, extra fuer uns eine Spezialklausel
in die ODbL einbauen, die den Wechsel zu einer anderen Lizenz erlaubt?

Zunächst: ich halte das Vorgehen der Wikipedia im Wesentlichen auch für einen schmutzigen oder zumindest fragwürdigen Trick mit ebenfalls nicht hinreichend belegtem Leidensdruck. Darüber will ich aber nicht streiten. Was die Situationen jedoch wesentlich unterscheidet, ist dass die CTs auch einen Wechsel des fundamentalen Charakters der Lizenz (weg von SA, bzw. hin zu PD) erlauben. Das Argument, das hier immer wieder gebracht wird, ist das des Abgehängtwerdens. Dieses Szenario halte ich jedoch für extrem unwahrscheinlich. Die Frage der Liberalität der Lizenz spielt, in einem gewissen Rahmen, gegenüber den sonstigen Qualitäten eines Angebotes eine eher untergeordnete Rolle. Siehe die relativen Erfolge von Linux (mit seiner eher restriktiven Lizenz) versus *BSD (kein Flamewar bitte).

Wie ich geschrieben habe, wird gerade darueber diskutiert, die CTs
dahingehend abzuaendern. Eine Abaenderung der CTs in Richtung einer
*strengeren* Auslegung ist ja durchaus moeglich, ohne alle, die den
bisherigen CTs zugestimmt haben, erneut fragen zu muessen. (Streng
genommen gibt es dann zwei Gruppen von Nutzern, eine, die der ersten
Fassung der CTs zugestimmt hat und eine, die der zweiten, staerker
eingeschraenkten Fassung zugestimmt hat - die Handlungsmoeglichkeiten
der OSMF sind dann natuerlich auf die Schnittmenge begrenzt.)

Das ist ja shcön und gut, aber Zustimmung wird derzeit zu den aktuellen CTs eingefordert. Und nur über die müssen wir reden.

Wir haben das Problem, dass viele Leute der neuen Lizenz nicht wegen
ihrer selbst kritisch gegenueber stehen, sondern weil sie irgendeinen
Datenverlust fuerchten, und sei der auch am anderen Ende der Welt. Hier
wird also ein *potentieller* Datenverlust zur selbsterfuellenden
Prophezeiung aufgebauscht: ich fuerchte, es koennten Daten verloren
gehen, also rufe ich lauthals dazu auf, der Lizenz nicht zuzustimmen und
sorge dadurch erst fuer den Datenverlust, der ohne meine Angstmache gar
nicht erst eingetreten waere.

Motiviert zu meinem initialen Posting hat mich, darauf hinzuweisen, dass die Annahme, die "schweigende Mehrheit", der ich ansonsten angehöre, sei schon einverstanden. Das kann sich als Irrtum herausstellen und hat wenig mit einer self-fulfilling-prophecy zu tun. Ich hätte es für sinnvoll gehalten, für den Lizenzwechsel nicht Fakten zu schaffen, bevor nicht ein breiter Konsens erreicht worden ist. Mir ist klar, dass das Gegenargument hier die vermeintliche Unerreichbarkeit dieses Ziels ist. Je nach Definition von "breit" ist dieses auch unter Umständen nicht von der Hand zu weisen. Wenn aber im Namen dieses Glaubens die Diskussion eskaliert wird, bis davon gesprochen wird, dass Dissenter wie lästige Bazillen "desinfiziert" werden müssen, ist eine Grenze überschritten, die Widerspruch provoziert.


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