Am 01.11.18 um 23:48 schrieb Christoph Hormann: >> Also dieser Interpretation moechte mich angesichts real existierendem >> Faschismus und seinen real existierenden Auswirkungen dann doch sehr >> entschieden entgegenstellen. [...] > > Jeder kann das natürlich sehen wie er möchte - mich überzeugen würde > jedoch nur ein inhaltiches Argument, welches die Existenz gemeinsamer > Züge widerlegt.
So funktioniert das nicht, Christoph. Wir leben in einer Zeit weltweit erstarkenden Nationalismus, in der sich selbst angesichts der sehr diffusen Faschismus-Begrifflichkeit dann doch recht gute Parallelen ziehen lassen: Die vermeintliche „Rueckbesinnung“ auf die jeweilige Volksgemeinschaft, die es abzugrenzen gilt, wobei dann auch Schiessbefehle an Grenzen und die Internierung der „Fremden“ in Lagern auf einmal nicht nur denk- sondern auch relativ konsequenzfrei sagbar werden, etc. etc. Natuerlich steht es dir frei, die Menschen, die einen CoC befuerworten, in ihrer Argumentation fuer strukturell aehnlich zu befinden. Du musst dann halt in Kauf nehmen, dass man dich angesichts dieser Meinungsaeusserung vielleicht nicht so ganz ernst nimmt. > Die faschistischen Züge, die ich hier sehe, sind vor allem der > totalitäre Anspruch und das dichotome Menschenbild - meist in Form > einer Klassifikation von Menschen entweder als privilegiert oder > marginalisiert, als Täter oder als Opfer mit unterschiedlichen > grundsätzlichen Rechten. Es geht mir hier nicht um den Begriff, > sondern um die Merkmale, die dahinter stehen. Vergleichen ist nicht > das selbe wie gleich setzen. Dann beziehst du in diesen Vergleich aber ueberhaupt nicht die Rolle struktureller Machtverhaeltnisse mit ein. Typische faschistische Elemente waeren zB die Herstellung einer um ein Fuehrerprinzip militaerisch/hierarchisch organisierten National- und Volksgemeinschaft, die einen Hegemonialanspruch gegenueber anderen Nationen oder „Voelkern“ geltend machen will. Bei CoCs geht es vielfach ganz im Gegenteil darum, Machtverhaeltnisse zu dekonstruieren und im Zweifel ueberhaupt erstmal sichtbar zu machen und zu benennen. Es geht nicht darum, eine homogene Gemeinschaft zu bilden, die besser als „die anderen“ sei, sondern innerhalb der Gemeinschaft zu analysieren, wer zu Macht kommt, sich Macht greift und ggf. auf welche Weise Macht verteidigt. Die Arbeitshypothese ist, dass innerhalb von Gemeinschaften vielleicht einige (in der Regel diejenigen, die nicht negativ von Machtungleichgewichten betroffen sind) der Ansicht sind, dass alle Beteiligten die gleichen Rechte haben – sich de facto aber nur bestimmte Gruppen auch die Durchsetzung dieser Rechte sichern. Ich bin dieser Diskussionen im keine-Ahnung-wievielten-Jahr offen gestanden ein wenig ueberdruessig. Ich habe das frueher sehr gerne diskutiert, mittlerweile finde ich es aber etwas ermuedend, dieselben Debatten immer wieder mit Leuten zu fuehren, die einem als allererstes gleich mal faschistoides Verhalten unterstellen. Ich hoffe, dass mein entnervtes Augenrollen dabei im Zweifel als „ohgott nicht _schon_ wieder, muss ich das jetzt _nochmal_ aufrollen“ interpretiert wird, anstatt als Ausdruck totalitaeren Anspruchs. regards, -stk PS: Wer der Ansicht ist, Gruppen mit CoCs wuerden einem faschistoiden Fuehrerprinzip folgen, hat vermutlich noch nie in einem Plenum diskutiert ;) _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

