Hallo, mich treibt seit einigen Monaten eine Idee um. Mir scheint, dass das "Craftmapping" bei OSM und vorallem auch im "politischen" Bereich, der OSMF, zunehmend unter den Tisch fällt.
"Craftmapping" (zu deutsch: "handwerkliches Kartieren"?) ist in meinen Augen die traditionelle OpenStreetMap-Arbeit: eine Gegend, die man selber kennt, mit allen verfügbaren Mitteln (vorallem mit Ortsbegehung) auf die Karte zu bringen. Da können Luftbilder schon eine Rolle spielen, aber "Craftmapping" ist sicherlich nicht das großangelegte Abpinseln eines Luftbildes in einem Land, dessen Kultur mir fremd ist, und sicherlich auch kein Datenimport und keine Anwendung von künstlicher Intelligenz, um auf Luftbildern Straßen erkennen zu können. All diese anderen Dinge können auch interessant sein und Spass machen, aber sie sind in meinen Augen nachrangig. Ich mappe auch gern mal als "Luftbildtourist" irgendwo in fremden Landen oder schreibe ein Programm, das irgendwas ändert, aber mir ist dabei klar, dass OSM nie zu dem geworden wäre, was es heute ist, wenn sowas die normale Herangehensweise wäre. Das alte Mapping-Handwerk wird aber zusehends mit Füssen getreten. Es vergeht keine Woche, in der nicht wieder irgendwo jemand jammert, dass man ohne einen groß angelegten Import ja niemals alle Häuser in Kanada oder alle Tankestellen in England mappen könnte, weil es viel zu viel Arbeit sei. Es beschäftigen sich mittlerweilse Leute beruflich mit OpenStreetMap, denen nach eigener Aussage ihre Zeit zu schade ist, um fehlende Daten an ihrem Wohnort zu erfassen; man könne mehr zu OSM beitragen, heisst es dann, indem man seine anderen Qualitäten in den Dienst der Sache stellt, als Projektleiter in einem Datenimport-Projekt oder sonst irgendwas. Ich finde das alles sehr bedauerlich; das Craftmapping ist meiner Ansicht nach identitätsstiftend für OpenStreetMap. Es ist das, was uns als Community zusammenhält, worüber wir reden können, wenn wir uns treffen, es ist das Boot, in dem wir gemeinsam sitzen. "Craftmapper", mich eingeschlossen, werden leicht in die Ecke der Ewig Gestrigen gestellt - Leute, die immer nur "gegen" alles Neue sind. Was ich gern erreichen würde, ist dass "Craftmapping" wieder etwas positives ist, dass man hervorhebt, was daran gut und wichtig ist, dass Craftmapping ein Breitensport ist (im Gegensatz zum anderen sehr IT-lastigen Disziplinen in OSM, die nur einer viel kleineren Gruppe offenstehen). Irgendwie gibt es niemanden, der für das Craftmapping eine Lanze bricht. Die Craftmapper machen alle so ihr Ding und interessieren sich wenig für den Rest. In der OSMF, die ja immerhin einige wichtige Dinge in OSM zu entscheiden hat, sind sie vermutlich mittlerweile sogar in der Minderheit, hinter denen, für die OSM zuvorderst ein Technikprojekt oder ein humanitäres Projekt ist. Auch das ist ein Problem. Ich möchte, dass man mit Stolz sagen kann: Ich bin ein Craftmapper, Leute wie ich haben das hier aufgebaut. Und nicht nur ein paar Großmäuler, sondern alle - *gerade* auch die, die keine Computer-Gurus sind und halt einfach mal ein paar Daten in ihrem Stadtviertel erfasst haben. Ich habe keine konkreten Pläne, was man tun könnte, um dieses Craftmapper-Selbstbewusstsein zu stärken, ich wollte nur mal die Idee hier loswerden und vielleicht eine kleine Diskussion anfangen, vielleicht Ideen sammeln, was man tun könnte, oder ob ich das ganze total übertrieben sehe... Bye Frederik -- Frederik Ramm ## eMail [email protected] ## N49°00'09" E008°23'33" _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

